Sprach- und Kulturwoche in Fiennes an der Côte d'Opale
vom 28.06. bis 05.07.2025
Mit einem herzlichen „Bienvenue“ wurden die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (14 aus Deutschland und 2 aus Großbritannien) der Sprach- und Kulturwoche von dem Organisationsteam der Sektion Lille in Fiennes empfangen!
Auf dem Programm standen: eine Woche Französisch intensiv, dabei lokale kulinarische Spezialitäten genießen und die kulturellen Schätze der Region erkunden … und das alles in familiärer und herzlicher Atmosphäre.
Am Ende der Woche waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: es war eine hervorragend organisierte Veranstaltung, die allen in guter Erinnerung bleibt.
Ich hoffe, dass sich viele Freunde der Eurojumelages von dem folgenden Bericht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspirieren lassen und vielleicht im nächsten Jahr auch an der Sprach- und Kulturwoche in Frankreich teilnehmen.
Sonntag, 29.06.2025
Nach unserer Ankunft am Samstag im „Gîtes Le Tilleul“ in Fiennes (Region „Hauts-de-France“) und dem gemeinsamen Abendessen war für Sonntag eine Wanderung entlang des Ärmelkanals geplant.
Unsere französischen Freunde fuhren uns nach dem Frühstück zum Küstenstädtchen „Ambleteuse“ am Ärmelkanal. Dort starteten wir gegen 9:30 Uhr mit unserer Wanderung bei Sonnenschein und etwas Nebel in Richtung „Cap Gris-Nez“. Das Gemeindegebiet von Ambleteuse ist Teil des „Regionalen Naturparks Caps et Marais d’Opale“ und grenzt seeseitig an den Meeresnaturpark „Estuaires Picards et Mer d’Opale“. Entlang der „Côte d’Opale“ führte der ca. 12 km lange Wanderweg mit wunderschönen Aussichtspunkten auf die Küste und die steil abfallenden Felsen („Falaises“) Richtung Norden.
Laurence Lebeau erläuterte uns zwischendurch die Besonderheiten der Landschaft und der Natur in dieser Region. Gut zu erkennen war auch die gegenüberliegende Küste Englands mit den berühmten Kreidefelsen von Dover. Unterwegs kamen wir an einigen alten Bunkern aus dem 2. Weltkrieg vorbei, die heute wie ein Mahnmal an dunkle Zeiten auf uns wirken. Krönender Abschluss war auf dem „Cap Gris-Nez“ der Rundumblick über den Naturpark „Marais d`Opale“, auf das Meer, die englische Küste und den Meeresnaturpark.
Ein herrlicher Tag mit unseren französischen Freunden.
Montag, 30.06.2025
Am Morgen fuhren wir bei großer Hitze in die nordfranzösische Hafenstadt „Boulogne-sur-Mer“, einer von den Kelten gegründete Stadt, die auch für die Römer von großer Bedeutung war. Heute ist die Stadt ein wichtiges Zentrum für Fischerei und Meereswirtschaft und Frankreichs größter Fischereihafen.
Vor dem Rathaus trafen sich einige von uns, um den von der Stadt alle zwei Jahre neu angelegtenGarten zu besichtigen. 2025 lautet das Motto des Gartens "Les arts se rencontrent et se répondent“ – Street Art versus Land Art“. Eine interessante Gestaltung, die zum Verweilen einlädt.
Beeindruckende Street Art Kunstwerke sind als belebende Elemente in der ganzen Stadt zu finden.
Die dreischiffige Basilika „Notre-Dame de l’Immaculée Conception et Saint-Joseph“ (Basilika „Unserer Lieben Frau der Unbefleckten-Empfängnis“) ist eine römisch-katholische Kirche aus dem 5. Jahrhundert mit der größten Krypta Frankreichs. Diese Krypta besteht aus einem Labyrinth von Galerien und Räumen mit sakraler Kunst. Das Verweilen in der Basilika war bei den hohen Temperaturen sehr erholsam.
Sehenswert waren in Boulogne-sur-Mer die Stadtbefestigungen und die Stadttore mit herrlichem Ausblick auf den Hafen mit dem Meeresaquarium „Nausicaá“.
Brigitte und Gerhard Klose (Sektion Bonn & Würzburg)
Dienstag, 01.07.2025
Am 1. Juli besichtigten wir in Guînes das Familienmuseum Saint Joseph Village.
Dieses Dorf wird seit 30 Jahren von Kunstschreinern aufgebaut und möchte die Zeit von 1900 bis 1970 veranschaulichen. Es steht unter dem Motto: „Erleben Sie das Frankreich Ihrer Jugend!“ Viele der unzähligen Objekte und manchmal auch ihr Geruch erinnerten uns stark an die Zeit von früher. Wir konnten die Läden, Ateliers, und Werkstätten von Kaufleuten, Hufschmieden, Schmieden, Schneidern, Friseuren, Tischlern, Zimmermännern, Wagnern, Schlossern, Sattlern, Metzgern, Korbflechtern, Schuhmachern mit den entsprechenden Werkzeugen, Materialien, Erzeugnissen und oft mit den Handwerkern (Puppen) besichtigen.
Außerdem gab es Hallen mit Traktoren, landwirtschaftlichen Geräten, Autos, Fahrrädern, Spielsachen, Musikinstrumenten und Musikgeräten. Wir konnten auch eine Wassermühle, ein Klassenzimmer und eine Kirche anschauen und Geschicklichkeit - und Denkspiele ausprobieren. Nähere Infos findet man unter www.st-joseph-village.com

Nach dem Spaß bei großer Hitze ließ sich ein Teil der Gruppe im Café mit erfrischenden, lokalen Getränken wie Freneytte verwöhnen. Wir aber suchten uns wieder einen anderen Strand in der Nähe, dieses Mal Bleriot-Plage und badeten ausgelassen im Ärmelkanal. Auf dem Rückweg ließen wir uns in einem gigantischen Supermarkt beeindrucken und gaben kräftig Geld aus. Wie immer hielt Laurence Lebeau ein prächtiges Abendessen bereit, selbst gekocht, schmackhaft, interessant und à la française mit mehreren Gängen.
Auch individuelle Vorgaben wurden berücksichtigt. Es ist nicht hoch genug zu loben, dass unsere französischen Freunde diesen Aufenthalt in Fiennes so persönlich und von Herzen gestaltet haben. Dies betraf auch den Sprach-Unterricht. Wir zwei waren in Gruppe 2, die von Philippe Lebeau und Laurence Trossat gecoacht wurde. Ausgehend von witzigen Homonymen, Fabeln, Auszügen aus dem Film „Camping“ oder verschiedenen Chansons arbeiteten wir uns leichtfüßig durch die Grammatik, verinnerlichten jede Menge Vokabeln und hatten nachher noch Argot, Jugendsprache und ja Sch’ti durchgenommen. Die Zeit verging so schnell und sofort gab es punktgenau für uns hungrige Schüler Laurences Supermittagessen.
Mittwoch, 02.07.2025
Das Museum in Desvres, das wir am 2.Juli besuchten, zeigt eine beeindruckende Sammlung von historischen und zeitgenössischen Keramiken.
Besucher/innen können dort mehr über die Techniken, die Geschichte und die Bedeutung der Keramik in der Region erfahren. Hier werden verschiedene
Herstellungsmethoden gezeigt, wie zum Beispiel das Modellieren, Gießen, Brennen und Glasieren von Keramik. Es gibt auch spezielle Techniken wie das Drehen auf der Töpferscheibe und das Dekorieren mit Farben und Mustern. Die unterschiedlichen Keramiken: Tafelkeramik: Diese Keramik wird für den täglichen Gebrauch hergestellt, wie Geschirr, Tassen, Teller und Schüsseln. Sie wird oft mit Glasur überzogen, um Wasserfestigkeit und eine schöne Oberfläche zu gewährleisten.
Dekorative Keramik: Hierbei handelt es sich um kunstvolle Stücke, die vor allem als Dekoration dienen, wie Skulpturen, Vasen, Wandplatten oder Figuren. Sie sind oft kunstvoll bemalt und glasiert. Brennkeramik: Diese umfasst alle Keramiken, die speziell für den Brennprozess hergestellt werden, wie Fliesen, Ziegel und Kacheln. Sie sind robust und werden häufig im Bauwesen verwendet. Steingut: Eine robuste, poröse Keramik, die bei mittleren Temperaturen gebrannt wird.
Mit oder ohne Glasur versehen wird sie für Töpferwaren und Haushaltsgegenstände genutzt. Porzellan: Sehr feine, durchscheinende Keramik, die bei hohen Temperaturen gebrannt wird. Es ist hart, glatt und wird häufig für edles Geschirr und Kunstwerke verwendet.
Technische Keramik: Wird für industrielle Zwecke hergestellt, z.B. in der Elektronik, Medizin oder Automobilindustrie. Sie hat spezielle Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit oder elektrische Isolierung. Keramik besteht hauptsächlich aus natürlichen mineralischen Rohstoffen, die bei hohen Temperaturen gebrannt werden, um die charakteristischen Eigenschaften zu erhalten.
Die wichtigsten Bestandteile sind: Ton: Der Grundstoff für viele Keramiken, vor allem für Töpferwaren und Ziegel. Ton besteht aus feinen, mineralischen Partikeln, die Wasser aufnehmen und nach dem Brennen fest und hart werden.
Kaolin: Ein spezieller Ton, auch Porzellanerde genannt, der sehr fein und rein ist. Er sorgt für die Transparenz und Feinheit von Porzellan.
Feldspat: Ein mineralischer Bestandteil, der beim Brennen schmilzt und die Glasur sowie die Festigkeit der Keramik verbessert.
Sand: Wird oft hinzugefügt, um die Stabilität und Hitzebeständigkeit zu erhöhen.
Pflanzen- oder mineralische Zuschlagstoffe: Manchmal werden auch andere mineralische Stoffe oder organische Materialien verwendet, um bestimmte Eigenschaften zu erzielen. Beim Brennen werden diese Rohstoffe miteinander verschmolzen oder verfestigt, wodurch die Keramik ihre endgültigen Eigenschaften erhält – wie Härte, Wasserfestigkeit und Stabilität. Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Art der Keramik und ihrer Verwendung.

Falls ihr mal in der Gegend seid, lohnt sich ein Besuch.
Anschließend besuchten wir eine Schokoladenfabrik und kauften ziemlich leckere Schockolade…

Die Fabrik hat eine eigene Kakaoplantage in Ecuador und stellt ihre Schokolade direkt aus Kakaobohnen her.
Sonja Mechtel und Margita Lentz (Sektion Bonn + Stuttgart)
Donnerstag, 03.07.2025
Nach den Vormittagskursen und dem reichhaltigen Mittagessen, trafen wir uns im Innenhof zur Nachmittagstour nach Calais. Verteilt auf mehrere PKWs ging es um 14.30Uhr los in die etwa 20km entfernte Hafenstadt an der Kanalküste. Von und nach England verkehren hier zahlreiche Fähren. Die kürzeste Verbindung zwischen Calais und Dover mit knapp 50km dauert etwa 2h. Westlich von Calais beginnt auch der Eisenbahntunnel unter dem Ärmelkanal.
Nach unserer gemeinsamen Ankunft neben dem Hafen konnten wir in einer offenen Halle das riesige fahrbare, bewegliche Drachenmodell aus Stahl und Holz (Compagnie du Dragon) bewundern, das für den Nationalfeiertag am 14. Juli verschönert wurde. Ein Ritt auf dem Rücken des Drachen am Strand entlang ist ein besonderes Ereignis.
Auf dem Weg in die Innenstadt erinnern die übermannsgroßen Bronzestatuen von Winston Churchill und Charles de Gaulle an die Verbündeten im 2.Weltkrieg.
Das Rathaus (Hotel de Ville ) beeindruckt mit einem 78m hohen begehbaren Glockenturm. Der Rathausvorplatz mit schönen Blumenbeeten beherbergt die berühmte Bronzestatue " die Bürger von Calais " vom franz. Künstler Rodin. Die Szene erinnert an die Belagerung der Stadt im 14Jh. durch die Engländer und dem mutigen Handeln von 6 Bürgern, das die Stadt vor der Zerstörung bewahrte.
Auf der Rückfahrt zur Unterkunft wünschte sich eine kleine Gruppe einen Umweg über die Küstenstraße zum
Cap Blanc-Nez und dem herrlichen Ausblick auf die Kreidefelsen, der Kanalküste, dem Hafen von Calais und der beeindruckenden Fernsicht auf die englische Küste mit den Kreidefelsen von Dover.
Nach dem Abendessen und den anschliessenden gemeinsamen Gesprächen weit in die helle Nacht hinein, musste wieder ein kurzer Schlaf genügen, um den nächsten Tag konzentriert anzugehen.
Freitag, 04.07.2025
An diesem Nachmittag stand Wimereux, eine kleine Stadt an der Opalküste auf dem Programm.
Vor dem Mittagessen konnten wir Joel Huberdeau mit Frau Francine kennenlernen, die uns bis zum frühen Abend besuchten.
Unsere Küchenchefin Laurence hatte als Stadtführerin eine Rundtour ausgearbeitet.

Ende des 19.Jh wurde Wimereux, da mit der Eisenbahn gut erreichbar, als 1. Badeort der Gegend von betuchten Bürgern aus England, Belgien und Frankreich aufgesucht. Einige ließen sich architektonisch reizvolle Stadtvillen im Style der Belle Epoque errichten.
Laurence führte uns exemplarisch zu 10 viktorianisch anglo-normannischen Villen mit eleganten Fassaden und Giebeln, teils mit Keramik-Fresken verziert.
Am letzten Abend erwartete uns noch ein volles Programm.
Vor dem Menu versuchten wir uns an Karaoke, das Philippe vorbereitet hatte. Er präsentierte uns eine Liste von franz. und englischen Schlagern.

Nicht fehlen durften die Dankesreden von Peter Backes an das Küchenteam und an unsere 4 Lehrer der Sprachkurse und unsere Übergaben der süßen Geschenke.
Mit einem Sektempfang wurde das reichhaltige, mit besonders viel Liebe zubereitete Abendmenü eröffnet.
Hildegard und Georg Natterer (Sektion Stuttgart)
Vielen Dank an das gesamte Team der Sektion Lille für diese einzigartige Woche.

